Welche Technologien werden in Thüringen zur Serienfertigung von Zeichnungsteilen genutzt?
Für die technische Entwicklungs- und Konstruktionsleitung: Ein technischer Überblick über Stanzerei, Automatendreherei, Spulenwickelei und Kunststoffspritzerei – und wie die richtige Technologiewahl die Fertigungskosten und Bauteilqualität beeinflusst.
Fachartikel von MGE Metallgeräte Elgersburg GmbH | ISO 9001:2015 zertifizierter Systemlieferant | Geratal, Thüringen – Fertigungstiefe über vier Kerntechnologien.
Auf einen Blick (Key Takeaways):
- Stanzerei und Umformtechnik: Ideal für hohe Stückzahlen mit engen Toleranzen – bis zu 2.000 Hübe pro Minute ermöglichen wirtschaftliche Großserien bei minimalem Materialverlust.
- Automatendreherei: Für rotationssymmetrische Präzisionsteile bis Ø 23 mm – auch aus schwer zerspanbaren Edelstählen, mit angetriebenen Werkzeugen für Querbohrungen und Fräskonturen.
- Feindraht- und Spulenwickelei: Spezialtechnologie für induktive Bauteile – Spulen, Relais, Magnete – mit Drahtdurchmessern ab 0,05 mm.
- Kunststoffspritzerei: Für Metall-Kunststoff-Verbundteile (Umspritzung) und eigenständige Kunststoffkomponenten – direkt kombinierbar mit Stanz- und Drehteilen.
- Technologiekombination als Wettbewerbsvorteil: Wer alle vier Technologien unter einem Dach vereint, eliminiert Schnittstellen und reduziert die Gesamtdurchlaufzeit erheblich.
Thüringen als Technologiestandort für Serienfertigung
Thüringen verfügt über eine tiefe industrielle Tradition in der Metallverarbeitung und Präzisionsfertigung. Die Region ist Heimat zahlreicher mittelständischer Fertigungsunternehmen, die über Jahrzehnte spezialisiertes Prozess-Know-how aufgebaut haben – insbesondere in der Stanz- und Umformtechnik, der Automatendreherei und der Spulenwickelei. Diese Spezialisierungen sind historisch gewachsen und heute ein echter Standortvorteil für Unternehmen, die anspruchsvolle Zeichnungsteile in Serie fertigen lassen.
Dieser Artikel gibt einen technischen Überblick über die vier Kerntechnologien, die bei der Serienfertigung von Zeichnungsteilen in Thüringen eingesetzt werden – mit konkreten Leistungsparametern, typischen Anwendungsfällen und Hinweisen darauf, welche Technologie für welches Bauteil die wirtschaftlichste Wahl ist. Grundlage sind die Fertigungskapazitäten der MGE Metallgeräte Elgersburg GmbH, die alle vier Technologien unter einem Dach vereint.
Die vier Kerntechnologien im Detail
1. Stanzerei und Umformtechnik
Die Stanzerei ist die wirtschaftlichste Fertigungstechnologie für flache und dreidimensional umgeformte Metallteile in hohen Stückzahlen. Aus Coilmaterial – Bänder aus Stahl, Edelstahl, Kupfer, Messing oder Aluminium – werden in Folgeschneid-, Biege- und Tiefziehwerkzeugen Bauteile mit engen Toleranzen und hoher Wiederholgenauigkeit gefertigt.
Der entscheidende wirtschaftliche Vorteil der Stanzerei liegt in der Geschwindigkeit: Hochleistungsstanzautomaten erreichen bis zu 2.000 Hübe pro Minute. Bei einer Losgröße von einer Million Teilen bedeutet das eine Fertigungszeit von unter neun Stunden – vorausgesetzt, Werkzeug und Prozess sind stabil eingerichtet. Der Materialverlust wird durch optimierte Streifenlayouts minimiert, was die Materialkosten pro Teil erheblich senkt.
Typische Anwendungen: Kontaktfedern, Stanzgitter, Blechformteile, Stanzbiege- und Tiefziehteile für Automotive, Elektro- und Relaisindustrie.
2. Automatendreherei (CNC-Drehbearbeitung)
Die Automatendreherei ist die Technologie der Wahl für rotationssymmetrische Präzisionsteile, die aus Stangenmaterial gefertigt werden. Kurven- und CNC-Drehautomaten bearbeiten das Material direkt von der Stange – ohne Umspannen, was eine hohe Maßhaltigkeit und kurze Taktzeiten ermöglicht. Moderne CNC-Drehautomaten verfügen über angetriebene Werkzeuge, die in einer Aufspannung neben dem Drehen auch Querbohrungen, Schlitze und einfache Fräskonturen ermöglichen.
Ein besonderes Merkmal der MGE-Automatendreherei ist die Spezialisierung auf schwer zerspanbare Edelstähle. Während viele Wettbewerber auf zerspanungsfreundliche Automatenstähle (z. B. 11SMn30) beschränkt sind, beherrscht MGE auch die wirtschaftliche Bearbeitung von 1.4301 (V2A) und 1.4305 – Werkstoffe, die in der Medizintechnik, der Elektroindustrie und im Schienenfahrzeugbau gefordert werden.
Typische Anwendungen: Kontaktstifte, Achsen, Buchsen, Gewindeteile, Verbindungselemente für Automotive, Medizintechnik und Elektroindustrie.
3. Feindraht- und Spulenwickelei
Die Spulenwickelei ist eine hochspezialisierte Fertigungstechnologie, die außerhalb der Elektro- und Relaisindustrie wenig bekannt ist – aber für induktive Bauteile unverzichtbar ist. Spulen, Relaiswicklungen, Elektromagnete und Transformatorkerne werden auf Wickelautomaten aus Feindraht mit definierten Windungszahlen, Wickelbreiten und Drahtspannungen gefertigt.
MGE verfügt über langjährige Erfahrung in der Feindrahtwickelei mit Drahtdurchmessern ab 0,05 mm – ein Bereich, der höchste Anforderungen an Maschinenpräzision, Prozessstabilität und Qualitätskontrolle stellt. Die Spulenwickelei bei MGE ist direkt in die übrige Fertigung integriert: Spulenkerne aus der eigenen Stanzerei oder Dreherei werden direkt in der Wickelei weiterverarbeitet, was Transportwege, Verpackungskosten und Qualitätsrisiken eliminiert.
Typische Anwendungen: Relaisspulen, Magnetspulen, Zündspulen, Transformatorkerne, induktive Sensorbauteile für Automotive und Elektroindustrie.
4. Kunststoffspritzerei und Metall-Kunststoff-Verbundteile
Die Kunststoffspritzerei ergänzt das Fertigungsspektrum von MGE um eine vierte Kerntechnologie, die insbesondere für Metall-Kunststoff-Verbundteile (Umspritzung) und eigenständige Kunststoffkomponenten eingesetzt wird. Beim Umspritzen werden vorgefertigte Metallteile – Stanzteile, Drehteile oder Einlegeteile – direkt im Spritzgusswerkzeug mit Kunststoff umspritzt, sodass ein einteiliges Verbundbauteil entsteht.
Der Vorteil gegenüber einer nachträglichen Montage liegt auf der Hand: Das Verbundbauteil ist formschlüssig verbunden, benötigt keine Klebstoffe oder Verbindungselemente und weist eine höhere Maßhaltigkeit auf als eine montierte Baugruppe. Da MGE die Metallkomponenten selbst fertigt und die Spritzgusswerkzeuge im eigenen Werkzeugbau konstruiert und herstellt, ist die gesamte Prozesskette vollständig intern – ohne externe Abhängigkeiten.
Typische Anwendungen: Umspritzte Kontaktträger, Steckverbinder, Sensorgehäuse, Isolierkörper für Automotive und Elektroindustrie.
Technologievergleich: Welche Fertigungstechnologie passt zu welchem Bauteil?
| Technologie | Ideale Bauteilgeometrie | Wirtschaftliche Losgröße | Typischer Werkstoff |
|---|---|---|---|
| Stanzerei | Flach, umgeformt, aus Band | Ab ca. 10.000 Stück/Jahr | Stahl, Edelstahl, Cu, Ms, Al |
| Automatendreherei | Rotationssymmetrisch, von Stange | Ab ca. 500 Stück/Jahr | Automatenstahl, Edelstahl, Ms, Al |
| Spulenwickelei | Induktives Bauteil, Wickelkörper | Ab ca. 1.000 Stück/Jahr | Feindraht (Cu, CuAg) ab Ø 0,05 mm |
| Kunststoffspritzerei | Kunststoff oder Metall-Kunststoff-Verbund | Ab ca. 5.000 Stück/Jahr | PA, PBT, POM, PP + Metalleinleger |
Welche Technologie passt zu Ihrem Bauteil?
Senden Sie uns Ihre Zeichnung – wir prüfen die optimale Fertigungstechnologie und erstellen Ihnen eine unverbindliche Machbarkeitseinschätzung. Bei Baugruppen aus mehreren Technologien koordinieren wir alles aus einer Hand.
Kontakt: mge@mge-gmbh.de | ☎ +49 (0) 3677 7946-0 | www.mge-gmbh.de
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Fertigungstechnologien in der Serienfertigung
- Ab welcher Stückzahl ist die Stanzerei wirtschaftlicher als die Drehbearbeitung für flache Metallteile?
- Als Faustregel gilt: Ab ca. 10.000 Teilen pro Jahr amortisieren sich die Werkzeugkosten der Stanzerei gegenüber der Einzelfertigung oder Drehbearbeitung. Bei sehr hohen Stückzahlen (ab 100.000 Teile/Jahr) ist die Stanzerei in der Regel deutlich wirtschaftlicher als jede Alternative – die Taktzeiten von bis zu 2.000 Hüben pro Minute können durch keine andere Technologie erreicht werden. Für kleinere Stückzahlen oder komplexe Geometrien kann die Automatendreherei oder die Kunststoffspritzerei die bessere Wahl sein.
- Kann MGE ein Bauteil fertigen, das sowohl Stanz- als auch Drehteil-Komponenten enthält?
- Ja. Da MGE Stanzerei, Automatendreherei, Spulenwickelei und Kunststoffspritzerei unter einem Dach vereint, können Baugruppen aus mehreren Technologien vollständig intern gefertigt und montiert werden. Ein typisches Beispiel ist ein umspritzter Kontaktträger: Das Stanzteil wird in der Stanzerei gefertigt, der Drehteil-Stift in der Automatendreherei, und beide werden anschließend in der Kunststoffspritzerei zu einem Verbundbauteil umspritzt – alles ohne externe Lieferanten.
- Welche Kunststoffe verarbeitet MGE in der Spritzerei?
- MGE verarbeitet gängige technische Thermoplaste wie Polyamid (PA 6, PA 66), Polybutylenterephthalat (PBT), Polyoxymethylen (POM) und Polypropylen (PP). Für spezielle Anwendungen in der Automotive- oder Elektroindustrie können auch glasfaserverstärkte Varianten (z. B. PA 66 GF30) verarbeitet werden. Die Werkstoffauswahl sollte frühzeitig in der Konstruktionsphase festgelegt werden, da sie die Werkzeugauslegung beeinflusst.
- Wie klein können die Feindrahtdurchmesser in der MGE-Spulenwickelei sein?
- MGE verarbeitet Feindraht ab einem Durchmesser von 0,05 mm – das entspricht etwa einem Drittel der Dicke eines menschlichen Haares. Diese Fähigkeit ist für hochminiaturisierte Relais- und Magnetanwendungen entscheidend, bei denen konventionelle Wickelautomaten an ihre Grenzen stoßen. Die Verarbeitung solch feiner Drähte erfordert speziell ausgelegte Wickelautomaten, präzise Drahtspannungsregelung und erfahrenes Fachpersonal.
- Welche Vorteile hat die Fertigung aller Technologien unter einem Dach gegenüber mehreren spezialisierten Lieferanten?
- Die Vorteile sind vielfältig: eine einzige Qualitätsverantwortung für die gesamte Baugruppe, keine Transportkosten und Verpackungsaufwände zwischen Lieferanten, kürzere Gesamtdurchlaufzeiten durch direkte Weitergabe von Halbfabrikaten, sofortige Reaktionsfähigkeit bei Konstruktionsänderungen und ein einziger Ansprechpartner für alle technischen und kaufmännischen Fragen. In der Praxis kann ein Systemlieferant wie MGE die Gesamtdurchlaufzeit einer mehrteiligen Baugruppe gegenüber einer Mehrlieferanten-Strategie um 30 bis 50 Prozent reduzieren.
