Eigener Werkzeugbau: Wo er den Weg vom Erstmuster zur Serie verkürzt
Für Entwicklung und Konstruktion: an welchen Stellen zwischen Zeichnung und Serienteil die Zeit verloren geht – und was sich ändert, wenn Werkzeugbau und Stanzerei unter einem Dach arbeiten.
Fachartikel der MGE Metallgeräte Elgersburg GmbH · zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2015 · Geratal, Thüringen
Erschienen am 15. September 2026. Stand: 25. September 2026.

Das Wichtigste in Kürze
- Beim Stanzteil hängt die Zeit bis zur Serie vor allem am Werkzeug: an der Konstruktion, am Bau und an den Korrekturschleifen nach der Erstbemusterung.
- Ein eigener Werkzeugbau verkürzt keine Maschinenlaufzeit. Er verkürzt die Wege zwischen dem, der das Teil stanzt, und dem, der das Werkzeug ändert.
- Den größten Unterschied macht die Korrekturschleife: Wird ein Maß beim Erstmuster nicht getroffen, geht das Werkzeug nicht auf Reisen, sondern in die Werkstatt nebenan.
- Auch Änderungen im laufenden Produktleben – ein neuer Zeichnungsstand, ein anderes Material – lassen sich im eigenen Haus direkter umsetzen.
- Die Voraussetzungen schaffen Sie in der Entwicklung: funktionsrelevante Maße kennzeichnen, Werkstoff und Stückzahl früh festlegen, Änderungen mit Stand dokumentieren.
Wer ein neues Stanzteil in Serie bringt, plant meist in Wochen, nicht in Tagen. Den größten Teil dieser Zeit bestimmt nicht die Presse, sondern das Werkzeug: Es muss konstruiert, gebaut, eingearbeitet und bemustert werden. Und selten sitzt beim ersten Muster jedes Maß. Die Frage ist dann, wie schnell das Werkzeug korrigiert ist und das nächste Muster folgt. Genau hier setzt ein eigener Werkzeugbau an. Er macht aus einem Stanzteil-Lieferanten keinen schnelleren Stanzer, aber er verkürzt die Wege zwischen Fertigung und Werkzeug.
Dieser Beitrag zeigt Ihnen als Entwickler oder Konstrukteur, an welchen Stellen des Ablaufs das den Unterschied macht und wo die Grenzen liegen. Er erklärt außerdem, was Sie selbst beitragen können, damit Ihr Teil ohne Umwege in Serie geht. Wie sich Werkzeugkosten im Stückpreis niederschlagen, behandelt der Beitrag Kostenermittlung in der Serienfertigung. Was ein Erstmusterprüfbericht enthält, erklärt der Beitrag Der Erstmusterprüfbericht nach VDA 2.
Wo die Zeit bis zur Serie hängt
Der Weg von der Zeichnung zum Serienteil läuft beim Stanzteil in vier Abschnitten. Zuerst kommt die Stanzwerkzeug-Konstruktion: Aus der Teilezeichnung entsteht das Streifenbild, also die Abfolge, in der das Blechband Station für Station geschnitten, gebogen oder geprägt wird. Dann wird das Werkzeug gebaut, also Stempel, Matrizen und Führungen gefertigt und zusammengesetzt. Danach wird es in der Presse eingearbeitet, bis es gleichmäßig läuft. Am Ende steht die Erstbemusterung: Die ersten Teile aus dem Serienwerkzeug werden vollständig gegen die Zeichnung gemessen und dokumentiert.
Jeder dieser Abschnitte braucht seine Zeit, und daran ändert auch ein eigener Werkzeugbau wenig. Die Wartezeit entsteht an den Übergängen. Wenn Konstrukteur, Werkzeugmacher und Einrichter in verschiedenen Firmen sitzen, wird jede Rückfrage zu einem Vorgang: Sie wird formuliert, geschickt, eingeplant und beantwortet. Das Werkzeug selbst wird verpackt, transportiert und wieder aufgespannt. Keiner dieser Schritte ist lang. Zusammen summieren sie sich aber, und bei jeder Korrekturschleife beginnen sie von vorn.
Werkzeugbau und Stanztechnik an einem Ort: was sich ändert
Arbeiten Werkzeugbau und Stanzerei im selben Werk, verschwinden die meisten dieser Übergänge. Das beginnt schon bei der Konstruktion. Ob ein Stanzteil in Serie maßhaltig bleibt, entscheidet sich oft schon im Streifenbild des Folgeschneidwerkzeugs. Wer das Streifenbild auslegt, kann den Einrichter fragen, wie sich ein bestimmtes Material in der Presse verhält, und bekommt die Antwort am selben Tag. Die Erfahrung aus der Fertigung fließt so in die Konstruktion ein, bevor das erste Bauteil des Werkzeugs gefertigt ist.
Beim Einarbeiten zeigt sich der Vorteil deutlicher. Läuft das Band nicht sauber oder federt eine Biegung stärker zurück als gerechnet, stehen Werkzeugmacher und Einrichter gemeinsam an der Presse. Die Ursache wird dort gesucht, wo der Fehler sichtbar ist, und nicht aus einer Beschreibung heraus erraten.
Die Korrekturschleife nach der Erstbemusterung
Die Erstbemusterung ist der Moment, in dem sich zeigt, ob das Werkzeug die Zeichnung trifft. Liegt ein Maß außerhalb der Toleranz, muss das Werkzeug korrigiert werden. Dafür wird etwa ein Stempel nachgeschliffen, ein Einsatz getauscht oder ein Biegewinkel angepasst. Danach folgt ein neues Muster. Das kann sich wiederholen, bis alle Merkmale stimmen.
Bei MGE finden diese Korrekturen nach der Erstbemusterung am Standort statt. Das Werkzeug wandert aus der Stanzerei in den eigenen Werkzeugbau und von dort zurück an die Presse. Der Werkzeugmacher hat den Messbericht und das Musterteil vor sich und kann mit dem Qualitätsprüfer direkt klären, welches Merkmal wie weit abweicht. Das spart keine Arbeitsschritte, aber es spart die Zeit dazwischen. Bei einem Teil mit mehreren Korrekturschleifen ist das der Abschnitt, in dem sich die Time-to-Market am stärksten beeinflussen lässt.
Werkzeugänderung im laufenden Produktleben
Mit der Freigabe des Erstmusters endet die Arbeit am Werkzeug nicht. Produkte ändern sich: Ein neuer Zeichnungsstand verschiebt eine Bohrung, ein anderes Material soll verarbeitet werden, eine Stückzahl steigt. Jede dieser Änderungen führt zurück ins Werkzeug. Auch hier gilt: Liegen Werkzeugbau und Fertigung zusammen, lässt sich eine Werkzeugänderung mit der laufenden Produktion abstimmen, ohne dass das Werkzeug das Haus verlässt.
Wichtig für Sie als Kunde ist dabei eine Frage, die mit Geschwindigkeit nichts zu tun hat: Wem gehört das Werkzeug? Bei MGE bleibt das Werkzeug Ihr Eigentum. Es wird mit Werkzeug- und Artikelnummer gekennzeichnet, sodass jederzeit klar ist, welches Werkzeug zu welchem Teil und zu welchem Kunden gehört.
So verkürzen Sie den Weg zur Serie selbst
Ein eigener Werkzeugbau beim Lieferanten nützt am meisten, wenn die Anfrage vollständig ist. Diese Angaben sparen Ihnen Korrekturschleifen:
- Funktionsrelevante Maße kennzeichnen. Sagen Sie, welche Maße und Toleranzen für die Funktion entscheidend sind. Dann kann das Streifenbild genau diese Merkmale absichern.
- Werkstoff früh festlegen. Blechdicke, Werkstoff und Zustand bestimmen die Rückfederung und damit die Werkzeugauslegung. Ein späterer Werkstoffwechsel bedeutet meist eine Werkzeugänderung.
- Stückzahl und Abrufe nennen. Sie entscheiden mit darüber, wie das Werkzeug ausgelegt wird.
- 3D-Daten mitschicken. Zeichnung und STEP-Datei zusammen lassen weniger Raum für Rückfragen.
- Änderungen mit Stand dokumentieren. Ein klarer Zeichnungsindex verhindert, dass ein Muster nach einem veralteten Stand gefertigt wird.
Eine Grenze gilt auch bei eigenem Werkzeugbau: Eine Oberflächenveredelung wie die galvanische Beschichtung läuft bei MGE über einen Partnerbetrieb. Planen Sie diesen Schritt bei der Terminplanung mit ein.
| Abschnitt | Werkzeugbau extern | Werkzeugbau im eigenen Haus |
|---|---|---|
| Stanzwerkzeug-Konstruktion | Rückfragen zur Fertigung laufen über zwei Firmen | Konstrukteur fragt den Einrichter direkt |
| Einarbeiten | Fehlerbild wird beschrieben und übermittelt | Werkzeugmacher und Einrichter stehen an derselben Presse |
| Korrektur nach der Erstbemusterung | Werkzeug wird verschickt, eingeplant, zurückgeschickt | Werkzeug geht in den Werkzeugbau am Standort |
| Änderung in Serie | Abstimmung zwischen zwei Terminplänen | Abstimmung mit der laufenden Fertigung im Haus |
Prüfen wir Ihr Teil gemeinsam
Schicken Sie uns Zeichnung, STEP-Datei oder Stückliste Ihres Stanzteils oder Ihrer Baugruppe. Unser Werkzeugbau sieht sich an, wie sich das Teil im Streifenbild umsetzen lässt, welche Merkmale beim Werkzeug besondere Aufmerksamkeit brauchen und welche Angaben vor der Konstruktion noch fehlen. So wissen Sie früh, worauf es bei Ihrem Teil auf dem Weg zur Serie ankommt. Kontakt: mge@mge-gmbh.de · +49 3677 7946-0 · mge-gmbh.de
Häufige Fragen
- Was bringt ein eigener Werkzeugbau beim Stanzteil-Lieferanten?
- Vor allem kürzere Wege. Konstruktion, Einarbeiten, Korrekturen und spätere Änderungen laufen im selben Werk wie die Fertigung. Rückfragen und Werkzeugtransporte zwischen zwei Firmen entfallen. Die einzelnen Arbeitsschritte werden dadurch nicht kürzer, wohl aber die Zeit zwischen ihnen.
- Wie wirkt sich das auf die Time-to-Market aus?
- Am stärksten in den Korrekturschleifen nach der Erstbemusterung. Wie viel Zeit sich dort sparen lässt, hängt davon ab, wie komplex das Teil ist und wie viele Schleifen nötig sind. Eine feste Zahl lässt sich dafür nicht seriös nennen.
- Was passiert, wenn das Erstmuster nicht passt?
- Die abweichenden Merkmale werden im Messbericht festgehalten. Das Werkzeug wird im Werkzeugbau korrigiert, etwa durch Nachschleifen eines Stempels oder den Tausch eines Einsatzes, und danach folgt ein neues Muster.
- Wem gehört das Stanzwerkzeug?
- Bei MGE bleibt das Werkzeug Eigentum des Kunden. Es wird mit Werkzeug- und Artikelnummer gekennzeichnet.
- Welche Angaben braucht der Werkzeugbau für die Stanzwerkzeug-Konstruktion?
- Zeichnung und möglichst eine STEP-Datei, Werkstoff und Blechdicke, die funktionsrelevanten Maße mit Toleranzen, die geplante Stückzahl und den aktuellen Zeichnungsstand.
